Strompreis in Estland
Was ein Haushalt in Estland für Strom zahlt, woher der Strom kommt und wie sich das Land von seinen Nachbarn unterscheidet.
Kaum ein Stromsystem in der EU hat sich so schnell gewandelt wie das estnische. Jahrzehntelang stammte fast der gesamte Strom aus Ölschiefer, der in den großen Kraftwerken bei Narva verfeuert wurde. Ölschiefer ist zwar noch immer die größte Einzelquelle, doch Wind, Sonne und Biomasse liefern zusammen inzwischen mehr. Weil Estland weniger erzeugt, als es verbraucht, bestimmen Importe aus Finnland, Lettland und Litauen den Preis mit.
Der Großhandelspreis wird am Vortag für eine einzige estnische Gebotszone ermittelt. Zwei Seekabel durch den Finnischen Meerbusen verbinden sie mit Finnland. Deshalb gleicht der estnische Preis oft dem finnischen und setzt sich nach oben ab, sobald die Kabel ausgelastet oder gestört sind.
Die Stundenpreise der Strombörse in Estland dürfen nicht frei weiterverwendet werden, deshalb zeigen wir sie nicht. Die Haushaltspreise hier sind die offiziellen Zahlen von Eurostat, die halbjährlich aktualisiert werden.
Woher kommt der Strom in Estland?
Bruttostromerzeugung 2024 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh).
Haushaltspreis seit 2023
Durchschnittspreis pro kWh, alles inklusive, für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh. Quelle: Eurostat (nrg_pc_204).
Ein Haushalt in Estland mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh zahlte im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 21,2 ct/kWh, alles inklusive, 8 % weniger als ein Jahr zuvor (Eurostat).
Die Eurostat-Zahl für jedes Halbjahr, einschließlich Steuern, Abgaben, Netzentgelten und Mehrwertsteuer. Wird zweimal im Jahr aktualisiert.
So funktioniert der Strompreis in Estland
Eine Gebotszone, freie Lieferantenwahl
Estland bildet die Gebotszone EE in der europäischen Day-Ahead-Marktkopplung; wichtigste Börse für das Baltikum ist Nord Pool. Seit Oktober 2025 gilt der Preis für jede Viertelstunde statt für jede Stunde. Haushalte können ihren Versorger frei wählen, seit der Markt im Januar 2013 vollständig geöffnet wurde. Meist entscheiden sie sich zwischen einem Festpreis für eine bestimmte Zeit und einem Börsentarif. Die Wettbewerbsbehörde Konkurentsiamet genehmigt die Netzentgelte, der staatliche Übertragungsnetzbetreiber Elering hält das System im Gleichgewicht.
Netzentgelte, Ökostromabgabe und Stromsteuer
Auf einer estnischen Rechnung steht mehr als nur die Energie. Der Verteilnetzbetreiber, für die meisten Haushalte Elektrilevi, berechnet Netzentgelte für das örtliche Netz. Hinzu kommen eine Abgabe zur Förderung von Wind-, Solar- und Biomassestrom und eine Verbrauchsteuer auf Elektrizität; auf die Summe wird Mehrwertsteuer erhoben. Anders als in Deutschland, wo Umlagen und Stromsteuer einen großen Teil ausmachen, schwankt die estnische Rechnung vor allem mit dem Börsenpreis, denn Netzentgelte und Abgaben ändern sich selten.
Seekabel, Wetter und CO2-Preis
Drei Faktoren bewegen den Preis am stärksten. Erstens die Verbindung nach Finnland: Haben Estlink 1 und Estlink 2 freie Kapazität, fließt günstigerer nordischer Strom nach Süden und die Preise nähern sich an; fällt ein Kabel aus, ist Estland auf eigene Kraftwerke und die baltischen Nachbarn angewiesen. Zweitens das Wetter, denn Wind und Sonne decken an guten Tagen einen großen Teil der Nachfrage. Drittens der Preis der EU-Emissionszertifikate. Er entscheidet, wie teuer die letzten Kilowattstunden aus Ölschiefer werden, wenn Wind und Importe nicht reichen.
Vom Ölschiefer zum gemischten System
Der Ölschiefer machte Estland weitgehend unabhängig, aber auch zu einem der Länder mit dem CO2-intensivsten Strom Europas. Mit steigenden Zertifikatspreisen wurden die alten Blöcke unrentabel, und ab Ende der 2010er-Jahre brach ihre Erzeugung ein. Windparks, Solaranlagen auf Feldern und Dächern sowie holzbefeuerte Heizkraftwerke haben einen großen Teil der Lücke geschlossen. Wasserkraft spielt praktisch keine Rolle, Erdgas nur eine kleine. Den Rest liefern Importe, die im Erzeugungsmix dieser Seite nicht erscheinen.
Zwischen Finnland und dem übrigen Baltikum
Estland liegt an einer Nahtstelle. Im Norden setzt Finnland auf Kernkraft, darunter den großen Reaktor Olkiluoto 3, und auf rasch wachsende Windkraft; sein Preis liegt meist unter dem baltischen. Im Süden stützt sich Lettland auf Wasserkraft von der Düna (Daugava) und auf Gas, während Litauen zum Windland geworden ist, aber weiterhin viel Strom einführt. Der estnische Preis pendelt daher zwischen dem finnischen und dem lettischen Niveau, bei freien Kabeln näher an Finnland.
Estland im Vergleich mit den Nachbarländern
2024 verteilte sich die Stromerzeugung in Estland so: 23 % Kohle, Braunkohle und Torf, 21 % Bioenergie und 18 % Wind. Wind, Sonne, Wasser, Kernenergie und Bioenergie lieferten in Estland zusammen 57 % der Erzeugung.
Bruttostromerzeugung 2024 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh). Pumpspeicherstrom ist abgezogen.
Mein Strompreis deckt Estland noch nicht ab
Mein Strompreis zeigt Stundenpreise für diese Länder: Dänemark, Norwegen, Schweden, Deutschland, Frankreich, Niederlande und Belgien.
Fragen zum Strompreis in Estland
- Was zahlt ein durchschnittlicher Haushalt in Estland für Strom?
- Ein Haushalt in Estland mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh zahlte laut Eurostat im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 21,2 ct/kWh pro kWh, alles inklusive. Der Preis hängt vom Netzbetreiber und vom Vertrag ab.
- Wie viel des Stroms in Estland stammt aus der Quelle „Kohle, Braunkohle und Torf“?
- 2024 stammten 23 % der Stromerzeugung in Estland aus der Quelle „Kohle, Braunkohle und Torf“ (Eurostat). Das ist die größte einzelne Quelle.
- Wie schneidet der Strommix in Estland im Vergleich zu den Nachbarländern ab?
- 2024: Estland: Kohle, Braunkohle und Torf 23 %, Bioenergie 21 %; Finnland: Kernenergie 39 %, Wind 25 %; Lettland: Wasserkraft 51 %, Gas 26 %; Litauen: Wind 46 %, Solar 19 %.
- Warum zeigt diese Seite keine Stundenpreise für Estland?
- Die estnischen Day-Ahead-Preise stammen von Nord Pool, und diese Daten dürfen nicht frei weiterveröffentlicht werden. Stattdessen zeigt die Seite die offiziellen Haushaltspreise von Eurostat. Sie enthalten Netzentgelte, Steuern und Abgaben und kommen dem, was ein Haushalt tatsächlich zahlt, näher als der reine Börsenpreis.
- Was hat sich mit der Abkopplung vom russischen Netz 2025 geändert?
- Am 8. Februar 2025 trennten sich Estland, Lettland und Litauen von dem Netz, das sie seit Sowjetzeiten mit Russland und Belarus teilten, und am Tag darauf synchronisierten sie sich über die litauische Verbindung nach Polen mit Kontinentaleuropa. Der Handel mit russischem Strom war schon 2022 eingestellt worden. Geändert hat sich vor allem, wer die Frequenz stabil hält: Das tun nun die baltischen Netzbetreiber selbst, im europäischen Verbund.
- Wird in Estland noch Ölschiefer verstromt?
- Ja, aber deutlich weniger als früher. Die Kraftwerke bei Narva laufen, wenn Wind und Importe die Nachfrage nicht decken, und in der Jahresbilanz bleibt Ölschiefer die größte Einzelquelle. Seine Bedeutung schrumpft, weil Wind und Sonne wachsen und der CO2-Preis jede Kilowattstunde aus Schiefer verteuert.