Strompreis in Kroatien
Was ein Haushalt in Kroatien für Strom zahlt, woher der Strom kommt und wie sich das Land von seinen Nachbarn unterscheidet.
In Kroatien hängt der Strom an den Flüssen. Wasserkraft ist die größte heimische Quelle, von der Cetina und anderen Karstflüssen Dalmatiens bis zur Drau im Norden; ein nasses und ein trockenes Jahr sehen für das ganze System deshalb sehr verschieden aus. Gaskraftwerke, Windparks im windigen dalmatinischen Hinterland und ein Anteil an einem slowenischen Kernkraftwerk füllen die Lücken.
Was kroatische Haushalte zahlen, ist vom Großhandel abgeschirmt: Seit 2022 hat die Regierung die Endkundenpreise wiederholt gedeckelt, und die meisten Wohnungen beliefert weiterhin der staatliche Konzern HEP. Die Day-Ahead-Börse CROPEX ist zwar mit dem übrigen Europa gekoppelt, ihre Stundenpreise erscheinen auf dieser Seite aber nicht.
Die Stundenpreise der Strombörse in Kroatien dürfen nicht frei weiterverwendet werden, deshalb zeigen wir sie nicht. Die Haushaltspreise hier sind die offiziellen Zahlen von Eurostat, die halbjährlich aktualisiert werden.
Woher kommt der Strom in Kroatien?
Bruttostromerzeugung 2024 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh).
Haushaltspreis seit 2023
Durchschnittspreis pro kWh, alles inklusive, für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh. Quelle: Eurostat (nrg_pc_204).
Ein Haushalt in Kroatien mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh zahlte im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 18,2 ct/kWh, alles inklusive, 12 % mehr als ein Jahr zuvor (Eurostat).
Die Eurostat-Zahl für jedes Halbjahr, einschließlich Steuern, Abgaben, Netzentgelten und Mehrwertsteuer. Wird zweimal im Jahr aktualisiert.
So funktioniert der Strompreis in Kroatien
CROPEX, HERA und ein Markt, den Haushalte kaum spüren
Strom für den nächsten Tag wird an der kroatischen Börse CROPEX im Rahmen der europäischen Marktkopplung gehandelt; das Land bildet eine Gebotszone. HOPS betreibt das Übertragungsnetz, die Regulierungsbehörde HERA (Hrvatska energetska regulatorna agencija) legt die Netzentgelte fest und beaufsichtigt den Markt. Haushalte könnten den Versorger wechseln, doch der HEP-Konzern – Erzeugung, Verteilung über HEP ODS und Belieferung über HEP Elektra – versorgt nach wie vor die große Mehrheit. Verordnungen seit der Krise 2022 haben die Haushaltspreise gedeckelt und die Verbindung zur Börse gelockert.
Plavi, bijeli und die Aufschläge
Haushalte wählen zwischen Tarifmodellen. Das blaue Modell (plavi) hat rund um die Uhr einen Preis, das weiße (bijeli) einen höheren Tag- und einen niedrigeren Nachttarif – passend für elektrische Warmwasserspeicher und Nachtspeicheröfen. Zur Energie kommen Entgelte für Übertragungs- und Verteilnetz, eine feste Monatsgebühr für die Messstelle, eine Abgabe zur Förderung erneuerbarer Energien, eine Solidaritätsabgabe für energiearme Haushalte und die Mehrwertsteuer. Abgerechnet wird in Euro, seit Kroatien die Währung 2023 eingeführt hat.
Regen, Bora und importiertes Gas
Die Niederschläge im dinarischen Karst bestimmen, wie viel Wasser die Kraftwerke nutzen können; in trockenen Jahren importiert Kroatien mehr. Die Bora, der kalte Nordostwind der Adriaküste, lässt die Windparks im Winter kräftig laufen. Gaskraftwerke setzen in vielen Stunden den Preis, und Gas kommt inzwischen auch als LNG über das schwimmende Terminal auf der Insel Krk, das 2021 in Betrieb ging. Die Nachfrage hat zwei Spitzen: im Winter zum Heizen und im Sommer, wenn Urlauber – viele aus Deutschland – die Küste füllen und Klimaanlagen laufen.
Erst Wasser, dann Gas, Wind und Sonne
Den größten Anteil liefert die Wasserkraft, aus Speicherkraftwerken in der Lika und in Dalmatien und aus Laufwasserkraftwerken an der Drau. Es folgen Gaskraftwerke in und um Zagreb und in Sisak, die auch Fernwärme liefern. Windparks, meist im Hinterland von Šibenik, Split und Zadar, sind stetig gewachsen, die Photovoltaik zieht nach. Das Kohlekraftwerk Plomin in Istrien ist das letzte seiner Art. Kroatiens Hälfte von Krško taucht hier nicht auf, weil die Statistik sie Slowenien zurechnet.
Nachbarn: ein geteilter Reaktor und Atomstrom aus der Tiefebene
Slowenien ist der engste Partner: Beide Länder besitzen Krško gemeinsam, die Netze sind eng verbunden, und Sloweniens Mischung aus Kernkraft, Wasser und Braunkohle ist stetiger als Kroatiens regenabhängiges System. Ungarn setzt auf das Kernkraftwerk Paks und wachsende Photovoltaik und ist über mehrere Leitungen über die Drau angebunden. Jenseits der Adria läuft Italien überwiegend mit Gas und hat meist höhere Preise. Im Süden und Osten handelt Kroatien zudem mit Bosnien und Herzegowina und Serbien außerhalb der EU.
Kroatien im Vergleich mit den Nachbarländern
2024 verteilte sich die Stromerzeugung in Kroatien so: 43 % Wasserkraft, 21 % Gas und 17 % Wind. Wind, Sonne, Wasser, Kernenergie und Bioenergie lieferten in Kroatien zusammen 72 % der Erzeugung.
Bruttostromerzeugung 2024 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh). Pumpspeicherstrom ist abgezogen.
Mein Strompreis deckt Kroatien noch nicht ab
Mein Strompreis zeigt Stundenpreise für diese Länder: Dänemark, Norwegen, Schweden, Deutschland, Frankreich, Niederlande und Belgien.
Fragen zum Strompreis in Kroatien
- Was zahlt ein durchschnittlicher Haushalt in Kroatien für Strom?
- Ein Haushalt in Kroatien mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh zahlte laut Eurostat im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 18,2 ct/kWh pro kWh, alles inklusive. Der Preis hängt vom Netzbetreiber und vom Vertrag ab.
- Wie viel des Stroms in Kroatien stammt aus der Quelle „Wasserkraft“?
- 2024 stammten 43 % der Stromerzeugung in Kroatien aus der Quelle „Wasserkraft“ (Eurostat). Das ist die größte einzelne Quelle.
- Wie schneidet der Strommix in Kroatien im Vergleich zu den Nachbarländern ab?
- 2024: Kroatien: Wasserkraft 43 %, Gas 21 %; Slowenien: Kernenergie 35 %, Wasserkraft 30 %; Ungarn: Kernenergie 42 %, Solar 24 %; Italien: Gas 44 %, Wasserkraft 19 %.
- Warum zeigt diese Seite keine Stundenpreise für Kroatien?
- Die Day-Ahead-Preise entstehen an der nationalen Strombörse CROPEX innerhalb der europäischen Marktkopplung. Ihre Daten dürfen nicht frei weiterverbreitet werden, daher fehlt hier die Stundenkurve. Stattdessen zeigt die Seite die amtlichen Haushaltspreise von Eurostat, die Netzentgelte, Abgaben und Mehrwertsteuer enthalten und EU-weit vergleichbar sind.
- Worin unterscheiden sich blauer und weißer Tarif?
- Das blaue Modell (plavi) berechnet für jede Stunde denselben Energiepreis. Das weiße (bijeli) teilt den Tag in einen höheren Tarif und einen niedrigeren Nachttarif und lohnt sich, wenn ein großer Teil des Verbrauchs, etwa ein Boiler oder Speicherofen, nachts laufen kann. Dafür braucht es einen Zweitarifzähler.
- Warum enthält Kroatiens Strommix keine Kernkraft?
- Kroatien gehört die Hälfte des Kernkraftwerks Krško, und es erhält die Hälfte der Erzeugung. Das Kraftwerk steht aber in Slowenien, deshalb zählt die Statistik die gesamte Produktion als slowenisch. In Kroatiens Zahlen erscheint dieser Strom als Import – und im eigenen Mix gibt es keine Kernkraft.