Strompreis in Finnland
Was ein Haushalt in Finnland für Strom zahlt, woher der Strom kommt und wie sich das Land von seinen Nachbarn unterscheidet.
Finnland bildet eine einzige Gebotszone, und sein Großhandelspreis gehört zu den unruhigsten im Norden. Die Kernkraft liefert eine breite, stetige Grundlage, doch der rasche Ausbau der Windkraft führt dazu, dass windige Nächte den Preis unter null drücken können, während ein kalter, windstiller Januarabend ihn unter die höchsten Preise Europas treibt.
Viele finnische Haushalte spüren das unmittelbar, denn Verträge mit Börsenpreis (pörssisähkö), die dem Spotpreis Stunde für Stunde folgen, sind weit verbreitet. Diese Seite zeigt keine finnischen Day-Ahead-Preise, sondern die amtlichen Haushaltspreise von Eurostat und den Strommix des Jahres.
Die Stundenpreise der Strombörse in Finnland dürfen nicht frei weiterverwendet werden, deshalb zeigen wir sie nicht. Die Haushaltspreise hier sind die offiziellen Zahlen von Eurostat, die halbjährlich aktualisiert werden.
Woher kommt der Strom in Finnland?
Bruttostromerzeugung 2024 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh).
Haushaltspreis seit 2023
Durchschnittspreis pro kWh, alles inklusive, für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh. Quelle: Eurostat (nrg_pc_204).
Ein Haushalt in Finnland mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh zahlte im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 26,9 ct/kWh, alles inklusive, 18 % mehr als ein Jahr zuvor (Eurostat).
Die Eurostat-Zahl für jedes Halbjahr, einschließlich Steuern, Abgaben, Netzentgelten und Mehrwertsteuer. Wird zweimal im Jahr aktualisiert.
So funktioniert der Strompreis in Finnland
Eine Zone an der nordischen Börse
Ganz Finnland ist die Gebotszone FI. Der Preis wird täglich für den Folgetag am nordischen Day-Ahead-Markt ermittelt, der mit dem übrigen Europa gekoppelt ist. Haben die Verbindungen nach Schweden und Estland freie Kapazität, teilt Finnland oft den Preis mit einem der beiden; sind sie voll, geht der finnische Preis eigene Wege.
Fingrid betreibt das Übertragungsnetz. Die Energiebehörde Energiavirasto beaufsichtigt Netzbetreiber und Markt. Endkundenpreise sind frei: Haushalte wählen zwischen befristeten Festpreisverträgen, unbefristeten Verträgen, deren Preis der Lieferant anpassen kann, und Spotverträgen.
Netzentgelt, Stromsteuer und 25,5 % Mehrwertsteuer
Die Rechnung besteht aus dem Energieanteil des Lieferanten und dem Netzentgelt (siirtomaksu) des örtlichen Verteilnetzbetreibers, der in seinem Gebiet ein Monopol hat. Die Entgelte unterscheiden sich stark zwischen den Betreibern und sind in dünn besiedelten Regionen meist höher, weil dort lange Freileitungen sturmsicher unter die Erde verlegt wurden.
Die Stromsteuer (sähkövero) wird je kWh mit der Netzrechnung erhoben, zusammen mit einer kleinen Abgabe für die Versorgungssicherheit. Die Mehrwertsteuer auf Strom beträgt seit dem 1. September 2024 25,5 % und gilt für Energie, Netz und Steuer gleichermaßen.
Warum der finnische Preis negativ werden kann
Die Windkraft ist schneller gewachsen als die Möglichkeiten, ihren Strom zu nutzen oder auszuführen. In windigen Nächten mit geringer Nachfrage, wenn die Kernkraftwerke laufen und die Kabel nach Schweden und Estland ausgelastet sind, nehmen Erzeuger lieber negative Preise hin, als abzuschalten. Die Frühjahrsflut in den nördlichen Flüssen vergrößert den Überschuss zusätzlich.
Im Winter kehrt sich das um. Elektroheizungen sind verbreitet, und eine Kältewelle mit wenig Wind treibt die Nachfrage genau dann, wenn das Angebot knapp ist. Fällt zugleich ein großer Reaktor aus, können die Preise stark springen. Seit die Importe aus Russland im Mai 2022 endeten, muss die Lücke über die Verbindungen nach Westen und Süden geschlossen werden.
Kernkraft zuerst, Wind dicht dahinter
Die Kernkraft ist die größte Quelle, mit fünf Reaktoren: drei in Olkiluoto an der Westküste und zwei in Loviisa im Südosten. Olkiluoto 3, einer der größten Reaktoren Europas, ging 2023 in den Regelbetrieb. Windkraft ist inzwischen die zweitgrößte Quelle, überwiegend an Land entlang der Westküste.
Wasserkraft aus Flüssen wie Kemijoki und Oulujoki liefert einen stetigen Anteil, und Biomasse, oft aus der Forstindustrie, speist Heizkraftwerke. Kohle und Torf spielen kaum noch eine Rolle. Anders als in Deutschland ist Gas im finnischen Strommix fast bedeutungslos.
Zwischen Schweden, Estland und Norwegen
Schweden ist Finnlands wichtigster Partner: Leitungen im Norden verbinden mit SE1, die Fenno-Skan-Kabel queren den Bottnischen Meerbusen nach SE3, sodass schwedische Wasser- und Kernkraft oft den finnischen Preis bestimmen. Im Süden reichen die Estlink-Kabel nach Estland, wo die Erzeugung lange auf Ölschiefer beruhte und der Preis meist höher liegt.
Norwegen, fast nur Wasserkraft, grenzt nur im hohen Norden an Finnland und ist dort schwach angebunden; sein Einfluss kommt vor allem über Schweden.
Finnland im Vergleich mit den Nachbarländern
2024 verteilte sich die Stromerzeugung in Finnland so: 39 % Kernenergie, 25 % Wind und 17 % Wasserkraft. Wind, Sonne, Wasser, Kernenergie und Bioenergie lieferten in Finnland zusammen 95 % der Erzeugung.
Bruttostromerzeugung 2024 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh). Pumpspeicherstrom ist abgezogen.
Mein Strompreis deckt Finnland noch nicht ab
Mein Strompreis zeigt Stundenpreise für diese Länder: Dänemark, Norwegen, Schweden, Deutschland, Frankreich, Niederlande und Belgien.
Fragen zum Strompreis in Finnland
- Was zahlt ein durchschnittlicher Haushalt in Finnland für Strom?
- Ein Haushalt in Finnland mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh zahlte laut Eurostat im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 26,9 ct/kWh pro kWh, alles inklusive. Der Preis hängt vom Netzbetreiber und vom Vertrag ab.
- Wie viel des Stroms in Finnland stammt aus der Quelle „Kernenergie“?
- 2024 stammten 39 % der Stromerzeugung in Finnland aus der Quelle „Kernenergie“ (Eurostat). Das ist die größte einzelne Quelle.
- Wie schneidet der Strommix in Finnland im Vergleich zu den Nachbarländern ab?
- 2024: Finnland: Kernenergie 39 %, Wind 25 %; Schweden: Wasserkraft 37 %, Kernenergie 29 %; Estland: Kohle, Braunkohle und Torf 23 %, Bioenergie 21 %; Norwegen: Wasserkraft 88 %, Wind 9 %.
- Warum zeigt die Seite keine Stundenpreise für Finnland?
- Die finnischen Day-Ahead-Preise veröffentlicht die Strombörse, doch sie dürfen nicht frei weiterverbreitet werden. Die Seite zeigt deshalb die amtlichen Haushaltspreise von Eurostat, einschließlich Netzentgelten und Steuern, sowie den Strommix des Jahres.
- Importiert Finnland noch Strom aus Russland?
- Nein. Die Importe aus Russland endeten im Mai 2022. Was sie früher deckten, muss nun aus finnischer Erzeugung und aus Schweden, Estland und Norwegen kommen; das ist ein Grund, warum Winterspitzen empfindlicher geworden sind.
- Was passiert mit dem Preis, wenn Olkiluoto 3 stillsteht?
- Olkiluoto 3 ist der größte einzelne Kraftwerksblock im Norden. Steht er wegen Revision oder Störung still, fällt viel stetige Erzeugung weg. Die Preise steigen, am deutlichsten an kalten, windstillen Wintertagen, an denen die Importe ohnehin am Limit sind.