Strompreis in Irland
Was ein Haushalt in Irland für Strom zahlt, woher der Strom kommt und wie sich das Land von seinen Nachbarn unterscheidet.
Irlands Strommarkt endet nicht an der Staatsgrenze. Die Republik und Nordirland bilden gemeinsam den Single Electricity Market, einen Großhandelsmarkt für die ganze Insel, in dem in Dublin und Belfast dieselben Preise gelten. Gas und Wind liefern den Großteil des Stroms, und weil das Inselnetz klein und nur schwach mit den Nachbarn verbunden ist, schwankt der Großhandelspreis stark mit dem Wetter und den Kosten für importiertes Erdgas.
Für Haushalte bedeutet das eine der höheren Stromrechnungen in der EU. In der Republik gibt es weder einen regulierten Tarif noch einen Preisdeckel: Jeder Versorger legt Arbeitspreis und Grundgebühr selbst fest, die Regulierungsbehörde beaufsichtigt den Markt, ohne Preise vorzugeben. Diese Seite zeigt die amtlichen Haushaltspreise von Eurostat für Irland und den jährlichen Strommix.
Die Stundenpreise der Strombörse in Irland dürfen nicht frei weiterverwendet werden, deshalb zeigen wir sie nicht. Die Haushaltspreise hier sind die offiziellen Zahlen von Eurostat, die halbjährlich aktualisiert werden.
Woher kommt der Strom in Irland?
Bruttostromerzeugung 2024 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh).
Haushaltspreis seit 2023
Durchschnittspreis pro kWh, alles inklusive, für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh. Quelle: Eurostat (nrg_pc_204).
Ein Haushalt in Irland mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh zahlte im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 38,7 ct/kWh, alles inklusive, 20 % mehr als ein Jahr zuvor (Eurostat).
Die Eurostat-Zahl für jedes Halbjahr, einschließlich Steuern, Abgaben, Netzentgelten und Mehrwertsteuer. Wird zweimal im Jahr aktualisiert.
So funktioniert der Strompreis in Irland
Ein Markt für die ganze Insel
Seit 2007 teilen sich Irland und Nordirland einen Großhandelsmarkt. In seiner heutigen Form, gültig seit Oktober 2018, umfasst er Day-Ahead- und Intraday-Handel sowie den Ausgleich von Abweichungen; betrieben wird er von SEMO, einem Gemeinschaftsunternehmen der Netzbetreiber EirGrid und SONI. Die Marktregeln setzt das SEM Committee, in dem die irische Commission for Regulation of Utilities (CRU) und der Utility Regulator in Belfast zusammenarbeiten.
Die Endkundenpreise in der Republik sind seit über einem Jahrzehnt frei. Die CRU erteilt Lizenzen, genehmigt die Netzentgelte und schützt Verbraucher, legt aber keine Preisobergrenze fest, anders als Ofgem auf der britischen Seite der Irischen See.
Grundgebühr, PSO-Abgabe und Arbeitspreis
Eine irische Stromrechnung besteht aus einem Preis pro Kilowattstunde und einer täglichen Grundgebühr. Beide decken neben den Kosten des Versorgers die Netze von ESB Networks und EirGrid. Haushalte auf dem Land zahlen eine höhere Grundgebühr als in der Stadt, weil jeder Anschluss dort mehr Leitung braucht. Die Mehrwertsteuer kommt obendrauf.
Ein Posten trägt einen eigenen Namen: die Public Service Obligation Levy, ein fester Monatsbetrag pro Haushalt, der die Einnahmen geförderter Erzeuger, vor allem erneuerbarer, aufstockt. Die CRU legt sie jedes Jahr für zwölf Monate ab Oktober fest. Sind die Großhandelspreise hoch, brauchen die Anlagen weniger Förderung, und die Abgabe kann auf null sinken, ähnlich wie einst die EEG-Umlage in Deutschland.
Gasimporte, Wind und Rechenzentren
Gaskraftwerke bestimmen in den meisten Stunden den Großhandelspreis. Das Gas stammt größtenteils aus Großbritannien und kommt durch Unterseepipelines aus Schottland; das Corrib-Feld vor der Küste von Mayo deckt einen schrumpfenden Teil. Der Preis folgt deshalb eng dem nordwesteuropäischen Gasmarkt. Bei Wind ändert sich das Bild rasch, doch der Netzbetreiber begrenzt, wie viel nicht-synchrone Einspeisung wie Windstrom das System gleichzeitig aufnehmen kann, sodass Windräder zeitweise gedrosselt werden.
Auch die Nachfrage ist ungewöhnlich. Rechenzentren, die sich rund um Dublin ballen, verbrauchen laut dem Statistikamt CSO rund ein Fünftel des gemessenen Stroms in Irland, und ihr Wachstum belastet Erzeugung wie Netz. Am knappsten und teuersten bleiben windschwache Winterabende.
Gas, Wind und keine Kernkraft
Gas war 2024 die größte Quelle, Wind ein starker Zweiter. Solarstrom wächst schnell von niedrigem Niveau, während Biomasse, etwas Öl und die letzte Kohle aus Moneypoint den Rest stellten. Moneypoint an der Shannon-Mündung hat 2025 aufgehört, Kohle zu verfeuern. Wasserkraft spielt eine kleine Rolle: Ardnacrusha am Shannon, 1929 eröffnet, ist bis heute das größte Wasserkraftwerk, und Turlough Hill in Wicklow speichert Energie, indem es Wasser in ein Oberbecken pumpt.
Kernkraft gibt es nicht; der Electricity Regulation Act von 1999 verbietet, Strom für das Netz durch Kernspaltung zu erzeugen. Offshore-Wind, in Großbritannien längst ein Schwergewicht, steht vor der irischen Küste noch ganz am Anfang, sodass fast der gesamte Windstrom von Land kommt.
Kabel nach Großbritannien, bald auch nach Frankreich
Alle Verbindungen der Insel zum übrigen Europa führen bislang nach Großbritannien: East-West Interconnector und Greenlink verbinden Irland mit Wales, das Moyle-Kabel Nordirland mit Schottland. Seit dem Brexit gehört Großbritannien nicht mehr zur EU-Marktkopplung, deshalb wird die Kapazität auf diesen Kabeln getrennt vergeben.
Der Celtic Interconnector, ein Seekabel vom County Cork in die Bretagne, ist im Bau und wird Irland erstmals direkt mit Frankreich und dem EU-Binnenmarkt verbinden. Anders als Frankreich mit seiner Kernkraft hängt Irlands Preis wie der britische an Gas und Wind, nur in einem viel kleineren und isolierteren System.
Irland im Vergleich mit den Nachbarländern
2024 verteilte sich die Stromerzeugung in Irland so: 48 % Gas, 37 % Wind und 4 % Solar. Wind, Sonne, Wasser, Kernenergie und Bioenergie lieferten in Irland zusammen 46 % der Erzeugung.
Bruttostromerzeugung 2024 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh). Pumpspeicherstrom ist abgezogen. Vereinigtes Königreich: NESO, historische Erzeugung, ohne Importe und Pumpspeicher.
Mein Strompreis deckt Irland noch nicht ab
Mein Strompreis zeigt Stundenpreise für diese Länder: Dänemark, Norwegen, Schweden, Deutschland, Frankreich, Niederlande und Belgien.
Fragen zum Strompreis in Irland
- Was zahlt ein durchschnittlicher Haushalt in Irland für Strom?
- Ein Haushalt in Irland mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh zahlte laut Eurostat im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 38,7 ct/kWh pro kWh, alles inklusive. Der Preis hängt vom Netzbetreiber und vom Vertrag ab.
- Wie viel des Stroms in Irland stammt aus der Quelle „Gas“?
- 2024 stammten 48 % der Stromerzeugung in Irland aus der Quelle „Gas“ (Eurostat). Das ist die größte einzelne Quelle.
- Wie schneidet der Strommix in Irland im Vergleich zu den Nachbarländern ab?
- 2024: Irland: Gas 48 %, Wind 37 %; Großbritannien: Wind 35 %, Gas 32 %; Frankreich: Kernenergie 67 %, Wasserkraft 12 %.
- Warum zeigt diese Seite keine Stundenpreise für Irland?
- Die Day-Ahead-Preise entstehen im inselweiten Markt von SEMO, dessen Daten nicht frei weiterveröffentlicht werden dürfen. Stattdessen zeigt die Seite die amtlichen Haushaltspreise von Eurostat für Irland. Sie enthalten Netzentgelte, Abgaben und Steuern und sagen deshalb mehr darüber, was Haushalte tatsächlich zahlen, als ein Großhandelspreis.
- Was ist die PSO-Abgabe auf irischen Stromrechnungen?
- Die Public Service Obligation Levy finanziert die Förderung erneuerbarer und anderer Kraftwerke, die der Staat aus Gründen der Versorgungssicherheit oder des Klimaschutzes unter Vertrag genommen hat. Haushalte zahlen einen festen Monatsbetrag, unabhängig vom Verbrauch. Die CRU legt sie jährlich ab Oktober fest; bei hohen Großhandelspreisen sinkt sie.
- Zahlen Irland und Nordirland denselben Strompreis?
- Im Großhandel ja: Beide handeln im Single Electricity Market zu denselben Preisen. Bei den Haushaltspreisen nicht. Nordirland hat eigene Regulierung, eigene Versorger, Netzentgelte und Steuern, und die Rechnung wird in Pfund statt in Euro bezahlt. Der Endpreis pro Kilowattstunde ist daher auf beiden Seiten der Grenze verschieden.