Strompreis in Großbritannien
Was ein Haushalt in Großbritannien für Strom zahlt, woher der Strom kommt und wie sich das Land von seinen Nachbarn unterscheidet.
Wer in England, Schottland oder Wales Strom bezieht, zahlt meist keinen Börsenpreis, sondern einen gedeckelten Tarif. Die Regulierungsbehörde Ofgem legt jedes Quartal eine Obergrenze fest, für den Arbeitspreis je Kilowattstunde und für die tägliche Grundgebühr, die Standing Charge. Diese Seite zeigt den aktuellen Preisdeckel sowie den Live-Strommix von NESO, dem staatlichen Betreiber des britischen Energiesystems.
Im Großhandel ziehen Erdgas und Wind in entgegengesetzte Richtungen. Gaskraftwerke setzen in den meisten Stunden den Preis, Windkraft ist inzwischen die größte einzelne Quelle und drückt ihn bei Sturm, nachts mitunter unter null. Kohle spielt keine Rolle mehr: Das letzte Kohlekraftwerk, Ratcliffe-on-Soar in Nottinghamshire, ging im September 2024 vom Netz.
Kurs: EZB 22.10.2026
Die britischen Börsenpreise dürfen nicht frei wiedergegeben werden, deshalb zeigt die Seite stattdessen die Preisobergrenze von Ofgem: den Höchstpreis pro kWh und die tägliche Grundgebühr für Standardtarife.
Woher kommt der Strom in Großbritannien gerade?
Stromerzeugung in Großbritannien um 00:00 Uhr, nach Energieträgern. Anteile an der Erzeugung ohne Importe, alle 30 Minuten berechnet.
Source: NESO Carbon Intensity API (carbonintensity.org.uk), CC BY 4.0
Preisobergrenze von Ofgem
Der Höchstpreis für Standardtarife in England, Schottland und Wales, 1. Oktober 2026 – 31. Dezember 2026, Durchschnitt bei Zahlung per Lastschrift (Direct Debit).
Die Obergrenze gilt für den Preis pro kWh und die Grundgebühr, nicht für die Gesamtrechnung. Die Sätze variieren je nach Region und Zahlungsart.
Laut Ofgem fällt vom 1. Oktober 2026 bis 31. März 2027 keine Mehrwertsteuer auf Haushaltsstrom an.
So funktioniert der Strompreis in Großbritannien
Ein landesweiter Preis und eine Obergrenze für Haushalte
Großbritannien bildet im Großhandel eine einzige Preiszone, ähnlich wie Deutschland zusammen mit Luxemburg. Die Day-Ahead-Auktionen laufen über EPEX SPOT und N2EX. Seit dem Brexit ist das Land seit Anfang 2021 nicht mehr Teil der europäischen Marktkopplung; die Kapazität der Seekabel wird getrennt vergeben. 2025 entschied die Regierung, beim einheitlichen nationalen Preis zu bleiben, statt das Land in Zonen aufzuteilen.
Ofgem berechnet den Deckel alle drei Monate aus den erwarteten Kosten für Großhandelsstrom, Netze und politische Programme. Er gilt für Standardtarife mit variablem Preis und andere Default-Tarife; Festpreisverträge fallen nicht darunter. Gedeckelt sind die Preise, nicht die Rechnung: Wer mehr verbraucht, zahlt mehr.
Standing Charge, Arbeitspreis und Umlagen
Die britische Stromrechnung kennt zwei Preise: den Arbeitspreis pro Kilowattstunde und die Standing Charge, die pro Tag anfällt, ganz gleich, wie viel verbraucht wird. In beiden stecken Großhandelsstrom, Übertragungs- und Verteilnetz, die Kosten für den Systemausgleich, Vertriebskosten und Marge des Versorgers sowie Umlagen für politische Programme, etwa Contracts for Difference für CO₂-arme Erzeugung und Hilfen für bedürftige Haushalte. Die Mehrwertsteuer kommt hinzu.
Der Deckel ist nach Regionen gestaffelt, weil die Netzentgelte im Norden Schottlands anders ausfallen als in London, und er hängt von der Zahlungsart ab: Lastschrift (Direct Debit), Zahlung auf Rechnung oder Prepaid-Zähler. Auf dieser Seite steht Ofgems Durchschnitt für Lastschriftkunden. Eine Stromsteuer nach deutschem Muster gibt es für Haushalte nicht; die Climate Change Levy trifft nur Unternehmen.
Warum Gas den Takt vorgibt
Gaskraftwerke werden meist als letzte gebraucht, um die Nachfrage zu decken, deshalb bestimmen ihre Brennstoff- und CO₂-Kosten in den meisten Stunden den Großhandelspreis. Das erklärt, warum die Gaskrise 2022 britische Haushalte so hart traf und warum der Deckel den Gas-Terminpreisen eng folgt. Die Nordsee liefert jedes Jahr weniger Gas; der Rest kommt per Pipeline aus Norwegen und als Flüssigerdgas per Schiff.
Wind wirkt in die Gegenrichtung. An stürmischen Tagen mit wenig Nachfrage fällt der Preis deutlich, und schottische Windparks werden teils dafür bezahlt, abzuregeln, weil das Netz den Strom nicht nach Süden transportieren kann, ein Engpass, den man aus Deutschland zwischen Nord und Süd kennt. Teuer sind kalte, windstille Winterabende; dann helfen Importe über die Interkonnektoren.
Viel Wind, viel Gas, keine Kohle
2025 war Wind die größte Quelle der britischen Stromerzeugung, vor allem Offshore-Parks in der Nordsee und der Irischen See; an Land steht ein großer Teil der Anlagen in Schottland. Gas folgte knapp dahinter. Die Kernkraftwerke von EDF liefern eine stetige Grundlast, auch wenn mehrere ältere Anlagen stillgelegt sind und Hinkley Point C in Somerset noch gebaut wird.
Eine britische Besonderheit ist Biomasse: Das Kraftwerk Drax in North Yorkshire hat Blöcke von Kohle auf importierte Holzpellets umgestellt. Solarstrom wächst vor allem im Süden Englands, Wasserkraft liefert nur einen kleinen, überwiegend schottischen Beitrag.
Seekabel zu den Nachbarn
Seekabel verbinden die Insel mit fast allen Nachbarn. Mehrere Leitungen führen nach Frankreich mit seiner Kernkraft, BritNed in die Niederlande, Nemo Link nach Belgien. North Sea Link bringt Wasserkraft aus Norwegen, und Viking Link verbindet seit 2023 mit dem windreichen Dänemark. Weil der Handel nicht mehr gekoppelt ist, fließt der Strom nicht immer so passgenau zu den Preisunterschieden wie innerhalb der EU.
Nach Westen laufen zwei Kabel von Wales nach Irland, das sich den Markt mit Nordirland teilt. Anders als in Frankreich oder Norwegen hängt der britische Preis stark am Gas, eine Abhängigkeit, die der deutsche Großhandelspreis kennt, auch wenn dort Kohle noch mitspielt.
Großbritannien im Vergleich mit den Nachbarländern
2025 verteilte sich die Stromerzeugung in Großbritannien so: 35 % Wind, 32 % Gas und 14 % Kernenergie. Wind, Sonne, Wasser, Kernenergie und Bioenergie lieferten in Großbritannien zusammen 66 % der Erzeugung.
Bruttostromerzeugung 2025 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh). Pumpspeicherstrom ist abgezogen. Vereinigtes Königreich: NESO, historische Erzeugung, ohne Importe und Pumpspeicher.
Mein Strompreis deckt Großbritannien noch nicht ab
Mein Strompreis zeigt Stundenpreise für diese Länder: Dänemark, Norwegen, Schweden, Deutschland, Frankreich, Niederlande und Belgien.
Fragen zum Strompreis in Großbritannien
- Wie hoch ist die Strompreisobergrenze in Großbritannien aktuell?
- Die Obergrenze von Ofgem für 1. Oktober 2026 – 31. Dezember 2026 beträgt 26,32 p pro kWh plus 54,83 p Grundgebühr pro Tag, im Durchschnitt für England, Schottland und Wales bei Zahlung per Lastschrift (Direct Debit).
- Wie viel des Stroms in Großbritannien stammt aus der Quelle „Wind“?
- 2025 stammten 35 % der Stromerzeugung in Großbritannien aus der Quelle „Wind“ (NESO). Das ist die größte einzelne Quelle.
- Wie schneidet der Strommix in Großbritannien im Vergleich zu den Nachbarländern ab?
- 2025: Großbritannien: Wind 35 %, Gas 32 %; Irland: Gas 48 %, Wind 37 %; Frankreich: Kernenergie 67 %, Wasserkraft 12 %; Niederlande: Gas 36 %, Wind 27 %; Belgien: Kernenergie 41 %, Gas 19 %.
- Begrenzt der Preisdeckel meine gesamte Stromrechnung?
- Nein. Ofgem legt Höchstwerte für Arbeitspreis und Standing Charge in Standardtarifen fest, keinen Höchstbetrag für die Rechnung. Was am Ende fällig wird, hängt vom Verbrauch, der Region und der Zahlungsart ab. Festpreisverträge sind vom Deckel gar nicht erfasst und können günstiger oder teurer sein.
- Warum zeigt die Seite für Großbritannien keine stündlichen Day-Ahead-Preise?
- Die Day-Ahead-Preise entstehen in Auktionen von EPEX SPOT und N2EX, deren Daten nicht frei weiterveröffentlicht werden dürfen. Da die meisten Haushalte ohnehin einen Tarif unter Ofgems Deckel zahlen und keinen Stundenpreis, zeigt die Seite stattdessen Arbeitspreis und Standing Charge des Deckels sowie den Strommix von NESO.
- Gilt der Ofgem-Preisdeckel auch in Nordirland?
- Nein. Ofgem ist nur für Großbritannien zuständig. In Nordirland reguliert der Utility Regulator, und der Großhandel läuft im gemeinsamen Strommarkt mit Irland. Die Haushaltspreise dort folgen eigenen Regeln und können deutlich vom britischen Deckel abweichen.
Weitere Seiten
Quellen
- Source: NESO Carbon Intensity API (carbonintensity.org.uk), CC BY 4.0.
- Supported by National Energy SO Open Data.
- Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh).
- Ofgem, energy price cap. Contains public sector information licensed under the Open Government Licence v3.0.
- Wechselkurse: Europäische Zentralbank (EZB), Referenzkurse des Euro – frei nutzbar.