Strompreis in Portugal
Was ein Haushalt in Portugal für Strom zahlt, woher der Strom kommt und wie sich das Land von seinen Nachbarn unterscheidet.
Portugal erzeugt mehr Strom aus Wind und Wasser als aus allem anderen, und im Großhandel wird das Land meist gemeinsam mit Spanien bepreist. Der portugiesische Preis ist deshalb vor allem eine Frage des Wetters: Ein nasser, windiger Winter füllt die Speicher und hält die Preise niedrig, ein trockenes Jahr überlässt mehr Abendstunden den Gaskraftwerken. Seit 2021 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz ging, ist Erdgas auf dem Festland der einzige nennenswerte fossile Brennstoff.
Stundenpreise zeigt diese Seite nicht. Sie beschreibt stattdessen, wie der Preis zustande kommt, was auf einer portugiesischen Rechnung steht und worin sich das Land von Spanien und Frankreich unterscheidet. Die Grafik weiter unten zeigt die amtlichen Haushaltspreise von Eurostat der letzten drei Jahre.
Die Stundenpreise der Strombörse in Portugal dürfen nicht frei weiterverwendet werden, deshalb zeigen wir sie nicht. Die Haushaltspreise hier sind die offiziellen Zahlen von Eurostat, die halbjährlich aktualisiert werden.
Woher kommt der Strom in Portugal?
Bruttostromerzeugung 2024 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh).
Haushaltspreis seit 2023
Durchschnittspreis pro kWh, alles inklusive, für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh. Quelle: Eurostat (nrg_pc_204).
Ein Haushalt in Portugal mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh zahlte im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 23,7 ct/kWh, alles inklusive, 1 % weniger als ein Jahr zuvor (Eurostat).
Die Eurostat-Zahl für jedes Halbjahr, einschließlich Steuern, Abgaben, Netzentgelten und Mehrwertsteuer. Wird zweimal im Jahr aktualisiert.
So funktioniert der Strompreis in Portugal
Iberische Börse, portugiesische Aufsicht
Den Day-Ahead-Preis für Portugal ermittelt OMIE, die Börse des iberischen Strommarkts MIBEL, der mit dem übrigen Europa gekoppelt ist; Terminkontrakte für denselben Markt werden an der OMIP in Lissabon gehandelt. Portugal bildet eine eigene Gebotszone, übernimmt aber den spanischen Preis, sobald die Grenzleitungen genug Kapazität haben. Die Regulierungsbehörde ERSE legt jährlich die Netzentgelte fest, ebenso die regulierten Tarife, die der Versorger letzter Instanz neben den vielen Marktverträgen weiterhin anbietet. REN betreibt das Übertragungsnetz, E-Redes den größten Teil der Verteilnetze.
Anschlussleistung, Zeitfenster und Rundfunkbeitrag
Eine portugiesische Rechnung beginnt mit der vertraglich vereinbarten Leistung, gemessen in kVA und pro Tag abgerechnet, und mit dem Verbrauch, entweder zu einem Einheitspreis oder aufgeteilt in zwei oder drei Zeitfenster (bi-horária, tri-horária). In beiden stecken die Netzentgelte. Dazu kommen eine besondere Verbrauchsteuer auf Strom, eine kleine Gebühr für die Energiebehörde DGEG, der audiovisuelle Beitrag zur Finanzierung des öffentlichen Rundfunks und die Mehrwertsteuer, die bei kleinen Anschlüssen für einen Teil des Verbrauchs ermäßigt ist. Haushalte mit geringem Einkommen erhalten automatisch den Sozialtarif.
Regen, Wind und die Grenze zu Spanien
Niederschlag zählt in Portugal mehr als in den meisten Ländern: Die großen Talsperren an Douro, Tejo und Guadiana können in einem nassen Jahr einen großen Teil des Bedarfs decken, in einer Dürre dagegen wenig. Der Atlantikwind sorgt für eigene Schwankungen, und die rasch wachsende Photovoltaik senkt im Frühjahr und Sommer die Mittagspreise. Reichen Wasser und Wind nicht, setzt Gas den Preis. Weil Portugals einzige Landverbindung nach Spanien führt, schlagen spanische Verhältnisse direkt durch; 2022 und 2023 wendeten beide Länder gemeinsam die iberische Gaspreisbremse für Kraftwerke an.
Wind vorn, Wasser dahinter, keine Kohle
Wind ist Portugals größte Stromquelle, gefolgt von der Wasserkraft samt Pumpspeicherwerken, die überschüssigen Wind- und Solarstrom aufnehmen. Die Photovoltaik ist schnell gewachsen, Gaskraftwerke dienen als Reserve, und Biomasse aus Forstwirtschaft und Zellstoffindustrie liefert einen gleichmäßigen Beitrag. Mit der Schließung der Kraftwerke Sines und Pego endete 2021 die Kohleverstromung. Die Inseln haben eigene Netze: Auf den Azoren nutzt São Miguel Erdwärme, und beide Archipele verbrennen noch Öl. Der Blackout vom 28. April 2025, der auch das ganze portugiesische Festland traf, zeigte, wie eng das Netz mit dem spanischen verbunden ist.
Spanien nebenan, Frankreich dahinter
Spanien ist Portugals einziger Nachbar im Stromnetz, und an den meisten Tagen teilen beide einen Preis, obwohl Spanien mehr auf Sonne, Kernkraft und Gas setzt und Portugal mehr auf Wasser und Wind. Kernkraftwerke hat Portugal keine. Frankreich, nur über Spanien erreichbar, lebt vor allem von Reaktoren und hat wegen der schmalen Leitungen über die Pyrenäen oft einen anderen Preis. Im Vergleich mit Deutschland fällt auf, dass Portugal ganz ohne Kohle und Kernkraft auskommt.
Portugal im Vergleich mit den Nachbarländern
2024 verteilte sich die Stromerzeugung in Portugal so: 30 % Wind, 24 % Wasserkraft und 15 % Solar. Wind, Sonne, Wasser, Kernenergie und Bioenergie lieferten in Portugal zusammen 77 % der Erzeugung.
Bruttostromerzeugung 2024 nach Energieträgern. Quelle: Eurostat (nrg_bal_peh). Pumpspeicherstrom ist abgezogen.
Mein Strompreis deckt Portugal noch nicht ab
Mein Strompreis zeigt Stundenpreise für diese Länder: Dänemark, Norwegen, Schweden, Deutschland, Frankreich, Niederlande und Belgien.
Fragen zum Strompreis in Portugal
- Was zahlt ein durchschnittlicher Haushalt in Portugal für Strom?
- Ein Haushalt in Portugal mit einem Jahresverbrauch von 2.500–5.000 kWh zahlte laut Eurostat im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 23,7 ct/kWh pro kWh, alles inklusive. Der Preis hängt vom Netzbetreiber und vom Vertrag ab.
- Wie viel des Stroms in Portugal stammt aus der Quelle „Wind“?
- 2024 stammten 30 % der Stromerzeugung in Portugal aus der Quelle „Wind“ (Eurostat). Das ist die größte einzelne Quelle.
- Wie schneidet der Strommix in Portugal im Vergleich zu den Nachbarländern ab?
- 2024: Portugal: Wind 30 %, Wasserkraft 24 %; Spanien: Wind 22 %, Solar 21 %; Frankreich: Kernenergie 67 %, Wasserkraft 12 %.
- Warum gibt es auf dieser Seite keine Stundenpreise für Portugal?
- Die stündlichen Preise für Portugal ermittelt und veröffentlicht die iberische Börse OMIE, deren Bedingungen eine Wiedergabe hier nicht erlauben. Statt Zahlen ohne Erlaubnis zu zeigen, verwendet die Seite die amtlichen Haushaltspreise von Eurostat, die zweimal jährlich erhoben werden und Netzentgelte sowie Steuern enthalten.
- Gibt es in Portugal noch regulierte Stromtarife?
- Ja. Neben den Marktangeboten verkauft der Versorger letzter Instanz regulierte Tarife, deren Preise die ERSE einmal im Jahr festlegt; sie ändern sich daher viel seltener als Marktpreise. Haushalte mit einem normalen Niederspannungsanschluss können sie wählen. Die meisten Kunden haben dennoch einen Vertrag auf dem freien Markt.
- Warum steht auf der portugiesischen Stromrechnung ein Rundfunkbeitrag?
- Der audiovisuelle Beitrag (contribuição audiovisual) finanziert den öffentlichen Rundfunk und wird über die Stromrechnung eingezogen, weil fast jeder Haushalt einen Anschluss hat. Er ist ein fester Monatsbetrag und hängt nicht vom Verbrauch ab; Haushalte mit sehr geringem Jahresverbrauch sind befreit.